Liebeszauber

1. Mädel schau mir in’s Gesicht!
Schelmenauge, blinzle nicht!
Mädel, merke, was ich sage!
Gib mir Rede, wenn ich frage!
Holla hoch, mir in’s Gesicht!
Schelmenauge, blinzle nicht!

2. Bist nicht häßlich, das ist wahr;
Äuglein hast du, blau und klar;
Wang und Mund sind süße Feigen;
ach! vom Busen lass mich schweigen!
Reizend, Liebchen, das ist wahr,
reizend bist du offenbar.

3. Aber reizend her und hin!
Bist ja doch nicht Kaiserin;
nicht die Kaiserin der Schönen, würdig
ganz allein zum Krönen. Reizend
her und reizend hin! Fehlt noch viel
zur Kaiserin.

4. Hundert Schönen
sicherlich, hundert,
hundert fänden sich,
die vor Eifer würden
lodern, dich auf Schönheit rauszufordern.
Hundert Schönen fänden sich;
hundert siegten über dich.

5. Dennoch hegst du Kaiserrecht
über deinen treuen Knecht:
Kaiserrecht in seinem Herzen,
bald zu Wonne, bald zu Schmerzen.
Tod und Leben, Kaiserrecht,
nimmt von dir der treue Knecht!

6. Hundert ist wohl große Zahl;
aber, Liebchen, lass es mal
hunderttausend Schönen wagen,
dich von Thron und Reich zu jagen!
Hunderttausend! Welche Zahl!
sie verlören allzumal.

7. Schelmenauge, Schelmenmund,
sieh mich an und tu mir’s kund!
He, warum bist du die Meine?
Du allein und anders keine?
Sieh mich an und tu mir’s kund,
Schelmenauge, Schelmenmund!

8. Sinnig forsch ich auf und ab:
Was so ganz dir hin mich gab? –
Ha, durch nichts mich so zu zwingen,
geht nicht zu mit rechten Dingen.
Zaubermädel auf und ab,
sprich, wo ist dein Zauberstab?