ICH BIN SOLDAT DOCH BIN ICH ES NICHT GERNE

( NEUE LIEDFASSUNG )

Ich bin Soldat doch bin ich es nicht gerne | Neue Liedfassung mit Text

 

Ich bin Soldat doch bin ich es nicht gerne

1. Ich bin Soldat, doch bin ich es nicht gerne,
als ich es ward, hat man mich nicht gefragt.
Man riss mich fort, hinein in die Kaserne,
gefangen ward ich, wie ein Wild gejagt;
ja, von der Heimat, von des Liebchens Herzen
musst’ ich hinweg und von der Freunde Kreis.
Denk ich daran, fühl’ ich der Wehmut Schmerzen,
fühl’ in der Brust des Zornes Glut so heiß.

EMPFEHLUNGEN A-Z

2. Ich bin Soldat, doch nur mit Widerstreben;
ich lieb’ ihn nicht, den blauen Königsrock,
ich lieb’ es nicht, das blut’ge Waffenleben,
mich zu verteid’gen wär’ genug ein Stock.
O sagt mir an, wozu braucht ihr Soldaten?
Ein jedes Volk liebt Ruh’ und Frieden nur,
allein aus Herrschsucht und dem Volk zum Schaden
lasst ihr zertreten, ach, die gold’ne Flur!

3. Ich bin Soldat, muss Tag und Nacht marschieren,
statt an der Arbeit, muss ich Posten steh’n,
statt in der Freiheit, muss ich salutieren
und muss den Hochmut frecher Burschen seh’n.
Und geht’s ins Feld, so muss ich Brüder morden,
von denen keiner mir zuleid was tat,
dafür als Krüppel trag’ ich Band und Orden,
und hungernd ruf ich dann: Ich war Soldat!

4. Ihr Brüder all’, ob Deutsche, ob Franzosen,
ob Ungarn, Dänen, ob vom Niederland,
ob grün, ob rot, ob blau, ob weiß die Hosen,
gebt euch statt Blei zum Gruß die Bruderhand!
Auf, lasst zur Heimat uns zurück marschieren,
von den Tyrannen unser Volk befrei’n;
denn nur Tyrannen müssen Kriege führen,
Soldat der Freiheit will ich gerne sein.

  • Ich bin Soldat doch bin ich es nicht gerne
  • Der originale Text wird vielfach Max Kegel zugeschrieben.
  • Die ursprüngliche Melodie stammt vom französischen Lied „Te souviens-tu?“, von Joseph-Denis Doche

 

Ich bin Soldat, doch bin ich es nicht gerne

Das Lied schildert in eindringlicher, persönlicher Sprache den inneren Zwiespalt eines Menschen, der gezwungen ist, als Soldat zu leben, obwohl er sich nach Frieden und Menschlichkeit sehnt. Schon der Titel verdeutlicht diesen Widerspruch: Der Sprecher erkennt seine Rolle an („Ich bin Soldat“), distanziert sich aber gleich darauf von ihr („doch bin ich es nicht gerne“). Darin liegt das zentrale Thema des Liedes – der Konflikt zwischen Pflichtbewusstsein und moralischem Empfinden.

In den Strophen wird dieser Zwiespalt weiter entfaltet. Der Soldat beschreibt seinen Alltag, der von Befehlen, Marschieren und Gehorsam geprägt ist. Emotional bleibt er dabei jedoch unverbunden. Die Zeile „Der Befehl klingt kalt wie Eis im Wind“ vermittelt das Gefühl von Entfremdung: Militärische Ordnung und Disziplin erscheinen gefühllos, fast unmenschlich. Gleichzeitig offenbart die Metapher vom „weinenden Kind in mir” die Sehnsucht nach der verlorenen Unschuld, die für Menschlichkeit, Verletzlichkeit und Mitgefühl steht und im Krieg unterdrückt werden muss.

Das lyrische Ich folgt Befehlen, weil es muss, nicht weil es überzeugt ist. Diese Haltung verweist auf ein moralisches Dilemma: Der Soldat gehorcht einer Pflicht, die er nicht innerlich tragen kann. Damit stellt das Lied eine universelle Frage nach individueller Verantwortung und Schuld im Krieg. Es erinnert an literarische und historische Vorbilder wie Erich Maria Remarques „Im Westen nichts Neues“, in dem junge Männer ebenfalls zwischen soldatischer Disziplin und menschlichem Empfinden zerrieben werden.

EMPFEHLUNGEN A-Z

Im Refrain wird der Kontrast zwischen Krieg und Frieden besonders deutlich. Während die Strophen von Härte und Zwang erzählen, öffnet der Refrain einen Raum der Sehnsucht: „Ich träum von Feldern, grün und weit, von Händen, die einander wärmen.“ Diese Bilder stehen für Leben, Natur und Nähe – Werte, die im militärischen Alltag keinen Platz haben. Der Refrain verwandelt den individuellen Schmerz somit in eine allgemeine Friedensbotschaft: Der Soldat kämpft nicht aus Überzeugung, sondern aus Notwendigkeit, und in ihm lebt die Hoffnung, dass der Krieg eines Tages endet.

Formal besticht das Lied durch seine Schlichtheit. Der klare Aufbau aus Strophen und Refrains spiegelt die Gleichförmigkeit des militärischen Lebens wider, während die Wiederholungen das Gefühl von innerer Gefangenschaft verstärken. Stilistisch arbeitet der Text mit Gegensätzen – Befehl und Gefühl, Kälte und Wärme, Pflicht und Freiheit –, wodurch die innere Spannung des Protagonisten spürbar wird. Die Sprache bleibt einfach, fast volksliedhaft, was die Authentizität der Stimme betont: Hier spricht kein Held, sondern ein Mensch.

„Ich bin Soldat, doch bin ich es nicht gerne“ ist ein Lied gegen die Verherrlichung des Krieges. Es verleiht jenen eine Stimme, die gezwungen sind zu kämpfen, obwohl sie den Frieden lieben. Die Botschaft ist zeitlos: Hinter jeder Uniform steckt ein Mensch mit Träumen, Ängsten und einem Gewissen. Das Lied mahnt zur Empathie und erinnert daran, dass wahrer Mut nicht im Gehorsam, sondern im Erhalt der eigenen Menschlichkeit liegt – selbst im Angesicht von Krieg und Zwang.