Die Ballade vom Grafen und der Nonne

 

Die Ballade vom Grafen und der Nonne

1. Ich saß auf einem hohen Berg,
sah nunter ins tiefe Tal,
da sah ich ein Schifflein schweben,
darin drei Grafen saß’n,
da sah ich ein Schifflein schweben,
darin drei Grafen saß’n.

2. Der Jüngste von den dreien,
der in dem Schifflein saß,
bot mir einmal zu trinken,
kühlen Wein aus seinem Glas,
bot mir einmal zu trinken,
kühlen Wein aus seinem Glas.

3. Ach Madchen, du wärst schön genug,
wärst nur ein wenig reich,
fürwahr ich wollte dich nehmen,
säh’n wir einander gleich,
fürwahr ich wollte dich nehmen,
säh’n wir einander gleich.

4. Ei bin ich schon nicht reich genug,
bin ich doch ehrlich und fromm,
ich werd die Zeit erwarten,
bis meines Gleichen kommt,
ich werd die Zeit erwarten,
bis meines Gleichen kommt.

5. Wenn deines Gleichen nun nicht kommt,
was willst du fangen an?
Darnach geh ich ins Kloster.
Will werden eine Nonn,
Darnach geh ich ins Kloster.
Will werden eine Nonn.

6. Es stand wohl an ein Vierteljahr,
dem Grafen träumts gar schwer,
als ob sein herzallerliebster Schatz
ins Kloster gangen wär,
als ob sein herzallerliebster Schatz
ins Kloster gangen wär.

7. Der Graf der kam geritten
wohl vor des Klosters Tür;
er fragt nach seinem Liebchen,
ob sie darinnen wär,
er fragt nach seinem Liebchen,
ob sie darinnen wär.

8. Sie kam herausgeschritten
in einem schneeweißen Kleid,
ihr Haar war abgeschnitten,
zur Nonn war sie bereit,
ihr Haar war abgeschnitten,
zur Nonn war sie bereit.

9. Da wandt er sich herumme,
kein Wort er sprechen konnt,
das Herz in seinem Leibe,
in tausend Stiicken sprang,
das Herz in seinem Leibe,
in tausend Stiicken sprang.